Donnerstag, 3. Januar 2013

Mal Luft machen und doch Danke sagen....

Hallo,
der folgende Post wird von mir im Namen meiner Freundin / Frau Sam veröffentlicht, weil sie selbst im Moment emotional zu aufgewühlt ist um ihn selbst zu schreiben.

Zum Verständnis:
Meine Freundin hat eine besondere Form von Asperger Autismus.
Sie hat ein visuelles Gedächtnis. Das bedeutet sie denkt nicht in Worten wie andere Menschen, sondern ausschließlich in Bildern. Das bedeutet, dass sie diese Bilder erst in Worte übersetzen muss. Ähnlich wie Temple Grandin die das hier recht anschaulich erklärt.
Das führt dazu, dass sie in stressigen und emotionalen Situationen wie diesen hier, zu einer recht ausgeprägten Legasthenie neigt. Und um das, was sie sagen möchte auf angemessene Art ausdrücken zu können, hat sie mir den folgenden Blog Eintrag so diktiert, wie er im Folgenden steht:

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Hallo liebe Leute,
seit Tagen überlege ich nun, wie ich den folgenden Text formuliere.
Wieder und wieder musste ich das Folgende neu formulieren, weil sich die Situation um die es geht immer wieder verändert und zum Schlimmeren gewendet hat.

Es geht immer noch um den 29c3. Um genau zu sein geht es unter anderem um diese unsäglichen Creepercards auf dem Kongress und dieser Hype, der darum gemacht wird.
Nun will ich hier nicht den 376. Rant zu dem Thema schreiben. Das haben andere schon zu genüge getan.
Wer meine Meinung dazu wissen will, soll einfach den entsprechenden Blog-Eintrag von Fefe lesen, der zu 100% meine Meinung widerspiegelt.

Leider muss ich gestehen, dass auch ich einige dieser Creepercards zum verteilen angenommen habe. Allerdings kannte ich zu diesem Zeitpunkt den Hintergrund nicht und fand, dass sie gerade für mich, die in Stress-Situationen oft komplett die Sprache verliert, eine gute Methode ist um mich meinem Gegenüber mitteilen zu können. Dazu aber später mehr.

Worauf ich eigentlich hinaus möchte ist ein offener Brief an den CCC und das gesamte Orga-Team des 29c3.
Der Brief darf auch gerne weiterveröffentlicht werden, falls das von jemandem gewünscht ist.

Ps.: Entschuldigt bitte den ellenlangen Blogeintrag, aber kürzer ging es leider nicht, wenn ich meinen Standpunkt richtig klarmachen wollte.
 
Hier nun also der Brief:



Hallo liebe CCCler liebes Orga-Team,

ich möchte mich auf diesem Wege einmal herzlichst bei euch bedanken.
Zu meiner Person:
Ich bin eine 33 jährige Asperger-Autistin und war im Dezember zum erstenmal auf einem CCC Kongress.
Ich verfolge die Aktivitäten des Clubs und auch die Kongresse zwar schon seit vielen Jahren online, da ich aber auf Grund meines Austismus und einer posttraumatischen Belastungsstörung große Angst vor dem Kontakt mit fremden Menschen habe, habe ich den Kongress bisher immer gemieden. Aus diesem Grund war auch mein Freund, der im Gegensatz zu mir aus dem IT Umfeld kommt, schon seit fast 10 Jahren nicht mehr auf dem Chaos Communication Congress.
Ich bin selbst sehr technikaffin, obgleich ich mich sicherlich nicht mit "richtigen" Hackern auf eine Stufe stellen würde. Ich bin aber ein großer Freund der ethischen Grundsätze des Vereins.
Da ich immer einmal einen Kongress live erleben und die Leute die ich so sehr mag, obwohl ich sie nie persönlich kennengelernt habe im realen Leben treffen wollte, haben ich und mein Freund beschlossen doch zum 29c3 zu fahren.

Da ich jedoch nicht wusste, wie ich auf so einem überlaufenen Kongress meine Defizite und meine besonderen Bedürfnisse klar machen sollte, hat mein Freund mir extra für den 29c3 ein T-Shirt gestaltet, dass eine Art Bedienungsanleitung für mich darstellt.
Darauf war unter anderem zu lesen, das ich Autistin bin, das man mit mir sprechen kann, mir Dinge zeigen kann, bitte etwas Geduld mit mir haben soll, und was besonders wichtig ist, man mich bitte nicht anfassen darf.
Gerade letzteres würde bei mir zu sogenannten dissoziativen Störungen führen. Das heißt, das Gehirn kappt chemisch die Verbindung zur Außenwelt und ich erstarre im wahrsten  Sinne des Wortes zur Salzsäule.
 Somit versteht ihr vielleicht ein bischen, warum mich der Besuch so viel Überwindung gekostet hat und wie wichtig es mir trotzdem war, dabei zu sein.

Als wir am ersten Tag auf dem Kongress angekommen sind, war ich super nervös.
So viele Menschen liefen durcheinander. Ich kannte niemanden. Ich dachte schon, "Hier lernst du nie jemanden kennen. Hier gehst du unter."
Ich wollte schon wieder gehen.

Wie sehr ich mich doch irren sollte.

Schon an der Kasse, wo wir unsere Armbändchen bekamen, respektierte man mein Distanzbedürfnis auf freundlichste Art und Weise und ich durfte mein Bändchen selbst anlegen.
Ich musste nicht einmal etwas sagen. Ein stummer Hinweis auf mein "Autisten" T-Shirt genügte und der freundliche junge Mann am Eingang trat lächelnd zurück und überließ mir den Cramper mit dem ich das Bändchen verschloss.

Auch im weiteren Verlauf des ersten Tages trat mir niemand zu nahe. Die Leute lasen mein Shirt und viele erkundigten sich danach.
Manche wollten mehr über meine Erkrankung erfahren, andere wollten wissen, ob das tatsächlich so ist, wie es auf dem Shirt steht. Wieder andere fanden die Idee einfach nur klasse.

Nie, nicht ein einziges Mal wurde ich mit verächtlichen Blicken bedacht, niemand überschritt meine Grenzen, niemand machte sich über mich lustig. Keiner der Besucher reagierte verächtlich oder beleidigte mich.

Dies war für mich eine ganz neue Erfahrung. Draußen auf der Strasse sieht das anders aus.
Ich war mein ganzes bisheriges Leben immer wieder Opfer von Anfeindungen der übelsten Art.
Lange Zeit wusste ich ja selbst nicht was mit mir los war, da Aspies oft erst sehr spät diagnostiziert werden. Ich war bereits etwa 30 Jahre alt, als ich endlich die Diagnose erhielt.
Ich bin durch mein oft auffälliges Verhalten und meine häufige Unfähigkeit die Intention von Personen richtig einzuschätzen schon mehrmals in meinem Leben auch Opfer von massivem Missbrauch geworden.
Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, da dass sehr unschöne Geschichten sind und mit dieser hier nichts zu tun haben.

Am ersten Tag drückte mir dann jemand, nach der Lektüre meines T-Shirts diese Creepercards in die Hand. Zunächst dachte ich, "Oh prima. Die helfen mir bestimmt, mich in Stress-Situationen meinem Gegenüber mitteilen zu können."
Ich habe auf dem Kongress auch einige davon verteilt. Allerdings nur die grünen.
Für die gelben und roten hatte ich keinerlei Verwendung.
Im nachhinein muss ich aber gestehen, dass ich mich fast ein bischen schäme, diese Karten verteilt zu haben, auch wenn es nur grüne waren.
Die Art und Weise wie diese Karten von anderen Frauen eingesetzt wurden hat mich erschrocken und zutiefst erschüttert.
Ich weiß nicht, was diese Frauen für ein Problem haben. Ich weiß nicht ob denen klar ist, was die mit ihrem mimimi Gehabe für einen Schaden anrichten gegenüber Frauen die mit echtem Sexismus und Missbrauch zu tun haben. Wer soll denn eine Frau noch ernst nehmen, die über Missbrauch klagt, wenn solche Schlagworte derart inflationär gehandhabt werden.

Daher auch dieser Brief mit einem ausführlichen Danke schön.

Ihr, also der CCC, das Orga-Team, und die ganze Community habt einen unglaublichen Job gemacht.
Ungeachtet der Tatsache, dass ihr ein derart riesiges Event gestemmt bekommen habt, seit ihr (zumindest aus meiner Sicht und wie ich es erleben durfte) euren Ansprüchen an die Hackerethik und eurer Anti-Harassment Policy mehr als gerecht geworden.

Ich habe so viele wahnsinnig freundliche und nette Menschen kennengelernt.
Niemanden hat es interessiert, dass ich behindert bin. Man hat es einfach akzeptiert. Es war kein Thema. Das konnte ich auch bei anderen beobachten. Ich behaupte mal, dass ich leider ein ziemlich geschultes Auge dafür habe. Und ich war ja nicht die einzige Behinderte auf dem Kongress. Auch die Anderen wurden einfach akzeptiert. Beziehungsweise es wurde einfach kein Thema daraus gemacht.

Ihr habt es geschafft, dass ich mich bereits am zweiten Tag so wohl gefühlt habe, dass ich sogar ohne meinen Freund ein wenig durch das Gebäude streifen konnte, ohne Schweißausbrüche zu bekommen. Sonst ist mein Freund immer als Aufpasser an meiner Seite. Und sonst ist das auch notwendig.
Ich konnte sogar alleine zwei Vorträge besuchen, während mein Freund in einem Workshop war.

In der Nacht vom dritten auf den vierten Tag saßen wir noch spät in der Hardware Hacking Area und mein Freund lötete noch an einer Platine rum, als ein paar Jungs mit ein paar lustigen Spielsachen in der Nähe unseres Tisches rumkasperten. Ich war von den Dingern so begeistert, dass ich wie ein kleines Kind in die Hände klatschte.
Im Normalfall hätte ich erwartet jetzt komisch angesehen zu werden.
Nicht bei euch.
Die Jungs fragten nur ob ich auch eins haben will. Als ich entgegnete, dass ich zwar technisch interessiert sei, aber noch nie wirklich gelötet habe, meinten sie nur: "Macht nix. Komm mit, wir zeigen dir wie das geht."
So etwas kannte ich bisher nicht.

Ihr wart alle so super nett zu mir, dass mir jetzt noch die Tränen in die Augen schießen, wenn ich daran denke.

Und auch die bekannteren Gesichter des Kongresses. Für mich unglaublich.
Am letzten Tag begegnete uns noch Constanze auf dem Flur und mein Freund hatte eine Frage an sie. Und obwohl sie mit Sicherheit in den Tagen und Wochen vor und während des Kongresses bis über die Ohren im Stress gestanden haben muss, nahm sie sich freundlich die Zeit, sich mit uns zu unterhalten.
Eine Person, die ich sonst eigentlich nur von Kongress-Videos, dem Radio, dem Fernsehen oder als Sachverständige des Bundesverfassungsgerichts kannte. Diese Person, deren Arbeit ich sehr bewundere, steht also einfach so da und unterhält sich mit mir kleiner Autistin.
Für euch mag das normal sein. Für mich ist es das nicht. Leider.

Ich bin mir sicher, dass auf einem Kongress auf dem fast 7000 Menschen 4 Tage lang fast rund um die Uhr zusammen sitzen, auch der ein oder andere Spacken dabei ist. Ganz sicher sogar.
Aber ich habe keinen getroffen.
Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben in einer so großen Menge von Menschen, die ich zudem gar nicht kenne, wirklich akzeptiert und wohl- gefühlt.

Und das, obwohl ich eigentlich noch nicht mal eine Haeckse bin. Vielleicht werde ich auch niemals eine. Vielleicht doch. Wer weiß. Aber ich hatte halt nicht den Eindruck, dass das wirklich wichtig gewesen wäre. Die Leute haben sich einfach gefreut, dass ich mich für ihre Arbeit interessiere und lernen wollte.

Auch dafür: Vielen herzlichen Dank.

Ich könnte noch stundenlang so weiterschreiben, aber der Brief ist jetzt schon zu lang.
Ich möchte eigentlich nur noch folgendes sagen:

Mit eurer unermüdlichen Arbeit, eurem Einsatz und eurem freundlichen Wesen habt ihr es geschafft, einen tollen Kongress auf die Beine zu stellen. Allen Unkenrufen und Feministen-Trolls zum Trotz.

Und was für mich persönlich noch viel wichtiger ist:

Ihr habt es geschafft, dass diese kleine ängstliche Autistin seit dem 29c3 jetzt jedes Jahr im Dezember in Hamburg ein zweites Zuhause hat.

Dafür im besonderen:

D A N K E .

Samantha (Sam) Becker

Ps.: Wir sehen uns 2013......

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Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Dieser Blogpost ermutigt mich, auch nächstes Jahr meine Angst zu überwinden, um zum congress zu gehen. Ich habe mich immer nicht getraut, weil ich ähnliche Probleme habe wie du, nicht durch Asperger, aber doch sehr nah an deiner Symptomatik. Ich finde mich in dem, was du schreibst, selbst wieder und deshalb hast du gerade dazu beigetragen, dass ich meine Ängste vielleicht doch überwinden kann, um genauso positive Erfahrungen zu machen wie du. Mich weniger von meinen sozialen Ängsten behindern und von Wünschen abhalten zu lassen. Auf jeden Fall ist der Wunsch gerade durch diesen Post stärker geworden. Danke dafür.

    Und zu dieser Sexismus-Hysterie muss ich echt nix mehr sagen. Da könnte ich ausrasten..

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    1. Das freut mich sehr.
      Es war mir einfach wichtig, auch wenn ich nur eine kleine Einzelperson bin,
      mal die andere Seite aufzuzeigen.
      Selbst wenn ich nur eine Person ermutigen konnte sich diese wirklich tolle und hilfsbereite Community anzusehen, dann hat sich der offene Brief schon gelohnt.

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    2. Wie meine Frau ja schon geschrieben hat, freut uns das wirklich sehr.
      Wenn du dich entscheidest im Dezember dabei zu sein, kannst du dich gerne vorher melden.
      Wir können dann einen Treffpunkt auf dem Kongress vereinbaren und dir vielleicht helfen, deine ersten eigenen Schritte auf dem Kongress zu machen.
      Wir wissen ja wie schwer das beim ersten mal ist, wenn man sich noch gar nicht auskennt und auch niemanden vor Ort kennt.

      Wie gesagt, meld dich einfach per E-Mail. Wir helfen dir dann gerne weiter.
      Trau dich ruhig dahin zu gehen. Es lohnt sich wirklich.

      Ps.: Die E-Mail Adresse stelle ich in den nächsten Tagen noch hier in den Blog rein.
      Hab ich glaub ich noch gar nicht getan. Ist alles in den letzten Tagen mit der heißen Nadel gestrickt worden.

      Einen lieben Gruß

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    3. hat sich der offene Brief schon gelohnt
      saludos del otro lado del oceano
      alexav8

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    4. Wow, danke für das Angebot, das ist echt lieb. :)

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  3. Dann komm zur ohm 2013 nach Holland und du wirst noch mehr überrascht sein wie das ganze noch internationaler funktioniert. Jeder ist gerne gesehen und eingeladen, ungeachtet seiner Behinderung oder so etwas. www.ohm2013.org

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    1. Das würden wir sehr gerne, da unsere finanzielle Situation durch meine Erkrankung aber recht angespannt ist (brauche halt viel Betreuung und mein Freund kann daher nur teilzeit arbeiten), würde die Ohm vermutlich unser Budget sprengen.
      Aber mal sehen.....

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  4. Ich stoße nun zum zweiten Mal auf deinen Blog im Umfeld des 29c3. Ich war dieses Mal nicht da, aber letztes Jahr (vorletztes, so ganz bin ich noch nicht bei 2013 angekommen) auf dem Chaos Communication Camp.

    Du hast meine volle Zustimmung, was die Feminismustrolle angeht, und auch, was die offenheit des Chaosumfeldes angeht. Ich denke mal, viele Chaoten hatten es früher auf die ein oder andere Art schwer, vermutlich meistens, weil sie als Nerd nicht ganz dem durchschnittlichen Gesellschaftstypus entsprachen. Dadurch können die meisten relativ gut nachvollziehen, wie es ist, ausgegrenzt oder vor sonstige soziale Probleme gestellt zu werden. Das ist ein unschätzbarer Vorteil dieser Community.

    Und ich kann mir vorstellen, dass die Reaktionen auf "Ihr seid alles Sexisten, böse Vergewaltiger und per se scheiße" dadurch halt nicht ganz so tolerant waren.

    Anyway, ich mag deinen Stil zu schreiben (oder deinen Freund schreiben zu lassen). Ich schmeiß deinen Blog also mal in meinen Feedreader. :)

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  5. Toller Brief und ein lustiger Blogeintrag mit Einleitung zur Einleitung zum Brief ;D hihi

    >> Allerdings kannte ich zu diesem Zeitpunkt den Hintergrund nicht und fand, dass sie gerade für mich, die in Stress-Situationen oft komplett die Sprache verliert, eine gute Methode ist um mich meinem Gegenüber mitteilen zu können.

    Ja, vielleicht war die Idee mit Karten doch nicht so dämlich, wie sie mir eigentlich erscheint, vielleicht ist es eine gute Idee gerade für Leute mit Behinderungen oder auch anderen, die aus welchen Gründen auch immer sprachlos werden aber dringend kommunizieren müssten.
    Im Grunde habt ihr - du und dein Freund - das mit dem T-Shirt ja bereits gemacht ;D Also worauf ich hinaus will ist... ja vielleicht sind "Creepercards" auch wenn sie in der deutschen Gemeinde jetzt einen so schlechten Ruf haben doch keine so üble Idee, wenn man den Text individuell anpasst auf Situationen, in denen man selbst sprachlos ist. In deinem Fall vielleicht "Autsch, du hast mich berührt, für dich sicher keine Große Sache, aber bei mir schaltet sich gerade alles ab, wie auf meinem T-Shirt zu lesen ist. Bitte biete mir einen Stuhl an und geh dann einfach weg, mein Zustand wird sich über Kurz oder Lang wieder stabilisieren." oder was auch immer deine Strategie in solchen Fällen sein mag wenn dein Freund nicht da ist.

    Ow man... ich schreibe schon wieder so viel.

    Danke für den Text und viel Glück/Erfolg beim äääh naja beim Beruhigen.

    Deus Figendi

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    1. Ja, prinzipiell sind die Karten für Menschen mit Handicap keine schlechte Idee.
      Schade ist halt nur, dass die Karten durch die eher suboptimale Einführung jetzt wahrscheinlich ziemlich verbrannt sind.

      Da wird es schwer werden, da noch etwas vernünftiges draus zu machen.

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    2. Ich denke, die Creepy Cards waren eine dämliche Idee (und das ist das Netteste, was mir dazu einfällt) und sind es immer noch.

      Der Unterschied zu Sam's T-Shirt ist gerade, dass das Shirt klar sagt, wo ihre Probleme liegen bzw mit was sie Probleme hat, also, was Sache ist.

      Die Karten dagegen sagen nur "Du hast etwas falsch gemacht" (und die roten drohen auch noch Prügel an). Aber nicht, *was* falsch gemacht wurde.

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  6. Sam, vielen Dank für Deinen Text und die Mühe, die Du Dir, die Ihr Euch, gemacht habt. Dein Text hat für mich vieles gerade gerückt, was ich in den letzten Tagen zum Congress lesen musste

    Und nein, Du bist keine „kleine” Autistin. Das schmink Dir mal ab! ;-) Du bist ein besonderer Mensch, der Dinge positiv sehen kann und mit der Welt teilt. Ich wünschte, davon gäb es mehr!

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    1. Das freut mich.
      Wider erwarten hab ich bisher auch fast nur positives Feedback bekommen.

      Und vielen Dank für das nette Kompliment :)
      Ich gebe mir Mühe.

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  7. Sam, du bist AWESOME! Hätten die Damen und Herren hinter den Creepercards deine Social Competence, so gäbe es kein Problem. Also unterschätz dich mal nicht.

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    1. Auch dir vielen herzlichen Dank für die netten Worte.
      Ich denke einfach, das Schlüsselwort heißt Toleranz.
      Wenn wir nicht alle lernen eine gewisse Toleranz anderen gegenüber zu wahren, dann können wir auch gleich den Ausverkauf starten, die Bude zumachen und den Planeten einäschern.

      Es gibt schon genug Idioten die dabei sind die Karre mit voller Wucht an die Wand zu fahren. Aber da müssen wir ja nicht mitmachen.

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  8. Sam und Frank, Ihr beeindruckt mich sehr mit Eurem gegenseitigen Respekt und Eurer Rücksicht, Eurer Kreativität, Eurem Mut und Eurem Zusammenhalt. Ihr seid ein tolles Paar! Danke, dass Ihr uns davon etwas zeigt. Julika

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    1. Vielen Dank Julika.
      Das ist wirklich nett und gibt Mut.
      Aber wenn du halt mit einer Behinderung geschlagen bist, und wie die meisten Behinderten sowohl von Seiten der Behörden, als auch von einem großen Teil der Gesellschaft im Stich gelassen wirst, hast du nicht viele Möglichkeiten.

      Entweder man rauft sich zusammen (und das haben wir getan), oder man fährt in den nächsten Baumarkt und kauft sich einen Strick.

      Zum Glück gibt es aber auch noch andere Menschen in der Gesellschaft, so wie ihr Lieben hier, oder unsere Mit-Nerds auf dem Kongress.
      Das lässt hoffen und gibt Mut.

      Danke

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  9. Danke für den tol.. nee, grossartigen Post.

    Und alles was mir sonst noch einfiele, klänge so unsäglich cheesy. Also lass' ich's mal (ungewöhnlicherweise) bei dem Dank. ;-)

    Ach: das mit dem "diese Person, die ich so bewundere, die nimmt sich Zeit (die sie kaum haben kann) für mich 'kleinen Wurm'", das kenn ich zu gut.

    Wie BenB sagt: niemals unterschätzen! Ich bin da auch ganz gross drin, im mich klein machen.

    Also: Kopf hoch, Brust raus... äh, hoffe das nimmt jetzt niemand sexistisch... ;D

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  10. Hi Sam,

    danke für deinen tollen Post. Als kleine Info für dich, dein Brief kam über die interne Memberliste und somit bei einem Großteil der Orga- und Helfer-Leute an und hat dort für die ein oder anderen Freudentränen gesorgt. Tolle Motivation fürs nächste Jahr wieder den Aufwand zu treiben.

    Außerdem - was BenB sagt - selbst wenn du durch schief gelaufene Neuroplastizität vielleicht nicht in jeder Situation so souverän agieren kannst wie du willst, mehr Sozialkompetenz als andere Congressbesucher(innen) hast du offensichtlich. ;-)

    Bis nächstes Jahr, vielleicht treffen wir uns dann auch mal persönlich. :)

    Lg,
    Robin

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  11. vielen vielen DANK für Deinen Text !!!
    Dieses ewige rumnörgeln an Allem von einigen Menschen - geht mir schon lange auf die Nerven.
    // leider sind diese so laut, dass die positiven Stimmen nicht gehört werden

    Es sind Menschen, wie Du Sam, die mich motivieren trotzdem "unter Menschen" zu gehen und für Veränderungen zu "kämpfen".

    LG
    sabpre

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  12. Liebe Sam,
    Als ein Aspie der gelernt hat, sich stark mit sozialen Mechanismen auseinander zu setzen, möchte ich eine Sache zu bedenken geben.
    Du hast ein T-Shirt getragen, dass dich als Aspie ausweist. In der Technik-Community hat dies schon fast Kult-Status und wird respektiert. Außerdem hat es viele nette und interessierte Menschen angezogen, die sich auf angemessene Weise mit dir auseinandergesetzt haben. Es freut mich, dass du so positive Erfahrungen gemacht hast. Ich hätte es, ehrlich gesagt, auch nicht anders erwartet. Doch bedenke, dass deine Situation und deine Erfahrungen möglicherweise anders sind, als die anderer Teilnehmerinnen.
    Die Bedürfnisse anderer Frauen werden möglicherweise nicht ganz so respektiert wie deine. Vielleicht, weil sie keine Bedienungsanleitung auf ihrem T-Shirt haben. Vielleicht aber auch, weil auf sie und ihre Bedürfnisse weniger Rücksicht genommen wird, als auf die einer behinderten Teilnehmerin. Besonders die wirklich unangenehmen Teilnehmer werden sich Frauen gesucht haben, die ihnen als einfachere Ziele erschienen. In einen Aspie können sich auch viele der Männer dort hineinversetzen. Aber anscheinend nicht in eine neurotypische Frau. Auch wenn das Mittel der Wahl, CreeperCards, nicht ganz so ideal war, so müssen wir doch einsehen, dass dort ein Leidensdruck vorhanden ist. Sonst macht sich doch kein Mensch so eine Arbeit.

    Ich denke die Wurzel des Problems hier ist eine Wahrnehmungsverzerrung. Dein Auftreten hat nette Menschen angezogen und du bist empört, dass sie angegriffen werden. Andere Frauen haben vermutlich vermehrt unangenehme Aufmerksamkeit erfahren, besonders wenn sie sich "hübsch" gemacht haben. Was leider von vielen noch als sexuelle Aufforderung verstanden wird. Diese Frauen nehmen das Problem zwar nicht als zu groß wahr (denn es belastet sie real), aber überschätzen möglicherweise den Prozentsatz der "Creeps".
    Ein guter Weg wäre also, beide Statements als Teilaspekte ernst zu nehmen und die nette Mehrheit dazu zu bringen, die wenigen Idioten stärker zu sanktionieren und anzuerkennen, dass die "Feministinnen" einfach überproportional stark unter dieser Minderheit leiden müssen. Weil die Spinner sich eben auf diese Frauen fixieren.
    Ich selber bin zwar keine Frau, kann aber dank meiner Krankheit solche sozialen Subtexte besser wahrnehmen. Ich habe das schließlich nicht automatisch erlernt, sondern es mit viel Arbeit bewusst kultiviert. Und muss immer noc viel Energie investieren. Viele normale "Filter" der Wahrnehmung hab ich deshalb nie entwickelt. Kein soziales Gefüge war "normal" für mich.
    Deshalb kann ich mit einigem Gewicht sagen: Meiner Erfahrung nach besteht durchaus ein Problem in der Technik Szene. Vielleicht aus Unsicherheit oder Angst, aber aus welchem Grund auch immer: Frauen werden in der Tat von vielen abschätzig behandelt oder auf ihre Körper reduziert. Mir als homosexuellem Aspie erscheint das sogar ziemlich offensichtlich und auffällig. Ich bin da ja auf mehreren Ebenen ein interessierter aber unbeteiligter Beobachter von außen.

    Viele Liebe Grüße,
    Thomas

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